Kraft aus der Synthese von Intellekt und Musikantentum
Salzburg: Der Cellist Julian Lloyd Webber Im Mozarteum
Gabriel Faures Elegie in c-Moll, op 24, – Ist das wirklich eine von jenen samtenen Musikschöpfungen, die zu nichts anderem gut sind, als daß sich ein Cellist mit Ihrer Hilfe zielstrebig Ins Herz seiner Zuhörer hineinschmelchelt? Julian Lloyd Webber Ist ein erzmusikantischer Cellist, und warum hat er diesem Stück nichts von seinem sentimentalen melodischen Reiz Benommen. Aber er Ist auch und vor allem ein hochintelligenter Cellist; einer, der sich keineswegs mit einem sonoren Singsang die Bindebägen entlang zufrieden gibt. Er hält Faures Elegie eher im Mezzoforte und zeitweise in ganz Innigen Piano-Tönen, läßt den Schmelz also nur in kleiner Dosis zu. Und gerade deshalb bildet er mit seinem Cello kein akustisches Bollwerk zum Klavier hin, sondern lenkt das Interesse der Zuhörer hin zum Kollegen an den Tasten. Der Pianist bekommt so die Möglichkeit, ein wichtiges Stück Faure-Verständnls mitzuteilen: Faures harmonische Welten sind sehr genau geplante, vorimpressionistische Klangmalereien. Folgerichtig hat John Lenehan am Flügel der feinen Stimmung In den Akkorden nachhoeren können.
Es war eine durch und durch anregende Begegnung mit Violoncello-Literatur aus einem eher engen Zeitraum, zwischen 1880 und 1961.Sergej Rachmaninov befriedigte mit der g Moll Sonate, op. 19, durchaus Erwartungen’an Virtuosität und Schwärmerei. Benjamin Britten wollte mit seiner “Sonata in C” (op. 65) wohl zeigen, daß das Schwelgen In den Melodien auch nach zwei Dezennien der Vorherrschaft serieller Kompositionswelsen seine Berechtigung hat, wenn es nur formal, strukturell gut abgesichert Ist.
Brittens Werk ist In dieser Hinsicht fürwahr gut abgesichert. Und Lloyd Webber hat mit der ihm eigenen Kraft zur Synthese von Intellekt und Musikantentum ein bravourös aufgeschlüsseltes Bild von dieser Musik nachgezeichnet. Diese Emton-Motive am Beginn, die so subtil In ihren Bewegungs- und Lautstärke-Werten verknüpft waren! Wieder hatte John Lenehan großen Anteil am stimmigen Ganzen, denn Brittens “Sonata” Ist nicht nur tm explizit so benannten ,Dialoge” ein eminent zweigesprachiges Werk. Der Londoner Pianist hat die Gabe, auch dichte Akkordpassagen mit beneidenswerter Klarheit und Schlankheit umzusetzen. Und er trifft mit schlafwandlerischer Sicherheit jeweils genau die dynimlsche Balance.
Der Abend war bemerkenswert auch und gerade wegen der Übereinstimmung zwischen dem Cellisten und seinem Begleiter.
Reinhard Kriegelbaum

