Fono Forum September 1991

Julian Lloyd Webber plays Saint-Saens Cello Concerto

Saint-Saens, Konzert für Violoncello op. 33, Allegro appassionato op. 43,

Faure, Elegie op. 24, d’Indy, Lied, op. 19,

Honegger, Konzert für Violoncello;

Julian Lloyd Webber (Violoncello), English Chamber Orchestra, Yan Pascal Tortelier;

Aufnahmedatum: 1990

Klangbild: Transparent, gut durchhörbar.

Fertigung: Einwandfrei.

Julian Loyd Webber spielt hier ein sinnvoll aufeinander bezogenes Programm ein, das der Art seines Cellospiels charakterlich und ausdrucksmäßig ideal entgegenkommt. Sein Ton besitzt nichts Sonores oder Schweres, noch mimt er den draufgängerischen Virtuosen. Vielmehr prägt sein Cellospiel eine eher weiche, aber dabei gesanglich-flexible Timbrierung ganz eigener Art, die fast körperlos wirkt. Dem entsprechen in diesem Programm Werke, die in ihrer Faktur unverkennbar von Opern- oder doch Vokalmusik geprägt sind: Das Cello dominiert gesanglich, in nicht abbrechender melodischer Kontinuität. Auf diese Weise bezieht ein intensiver Lyrismus alle Stücke aufeinander, so unterschiedlich sie stilistisch auch sein mögen. Demgegenüber bleibt die Orchesterbegieitung gewissermaßen als klanglicher Kontrapunkt stets deutlich, transparent und klar; sie wirkt zu jeder Zeit klanglich-suggestiv, aber nie rauschhaft-impressionistisch.

Solch ein interpretatorischer Ansatz kommt besonders dem wunderbaren Cello-konzert von Honegger zugute, das wie ein Potpourri unterschiedlichster Musiktypen, einschließlich der Unterhaltungsmusik, wirken mag, hier aber in den lyrischen Partien eine innere Mitte erhält. Die Musik verliert auch alles Vulgäre oder Naive, vioimcnr wirkt sie fast schon rührend-kindlich. Es ist als ob ein unermeßliches Harmomebedürinis noch die unterschiedlichsten Musikarten aufeinander bezieht, die alle die gleiche Authentizität beanspruchen können. Das ist ein – wenn dieses Schlagwort gebraucht werden darf fast schon – postmoderner” Interpretationsansatz.

Giselher Schubert